despalles überschreitet Grenzen. So werden die Künstlerbücher der Edition zweisprachig – deutsch und französisch – oder auch dreisprachig konzipiert. Die Texte erscheinen in der Regel als Erstveröffentlichungen, aber stets in unveröffentlichten Übersetzungen. In Kleinauflagen erkunden diese Bücher die Weiten der Dichtung und der zeitgenössischen Kunst.

Pierre Reverdy / Johannes Strugalla
Der Gesang der Toten

Gedichtzyklus von Pierre Reverdy, einem der größten Erneuerer der französischen Lyrik des 20.Jh.; sein Einfluß reicht bis in die amerikanische »Beat Generation«. Erstmalig liegt eines seiner bedeutendsten Gedichtzyklen vollständig auf Deutsch vor. Er spiegelt die Stimmung am Ende der deutschen Besetzung Frankreichs wider und kann als poetische Antwort auf den vom Dichter wahrgenommenen »Verrat« vieler Landsleute gelten.
Die Texte lassen einen Umgang mit der Wirklichkeit erkennen, der dem Kubismus verwandt ist. Die Dinge klaffen bruchstückhaft auseinander: in Sprachschöpfungen aus aufeinanderprallenden Laut- und Bildelementen, deren semantische Spannungen und Gegensätze allein auf das Unsagbare verweisen. Verschränkte sich in der französischen Erstausgabe das Zeichenvokabular Picassos mit dem Text, schneidet hier Strugalla Liniengeflechte in Holz, die auf transparentem Japanpapier den Text überlagern. Zum einen paraphrasiert er die Zeichenelemente Picassos in immer neuen Kombinationen ihrer Konturen, zum anderen setzt er diesen seine eigenen, eher gestischen Formen entgegen. Die einen rot, die anderen dunkelgrau auf die jeweils andere Blattseite gedruckt.

"Le Chant des Morts / Der Gesang der Toten"
Gedichtzyklus von Pierre Reverdy, zweisprachig französisch / deutsch.
Buchgestaltung, Übersetzung und 29 Holzdrucke von Johannes Strugalla.
136 Seiten, 32,5 × 20,5 cm, Pigmentdruck (Text) auf Arches, Holzdruck auf beidseitig bedrucktem Japanpapier. Pappband.
Fadenheftung, Bindung Ricarda Rau.
88 numerierte, vom Künstler signierte Exemplare, 7 Exemplare (I – VII) mit Holzdruck-Suite bilden die Vorzugsausgabe.
Mainz, Paris 2010 / 2011